Rentenlücke bei Frauen: Was bei der Rentenreform nicht untergehen darf
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Der Rentenbescheid ist für viele Frauen ein Schock: Wegen ihrer Erwerbsbiografie fällt ihre Rente deutlich geringer aus.
Rentenniveau, Beitragssatz, Renteneintrittsalter – die Rentendebatte wird diese Woche wieder die Schlagzeilen bestimmen. Am Dienstag stellt die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission ihren seit Monaten erwarteten Bericht vor. Dabei geht es um die großen Fragen: Wie lässt sich das Rentensystem zukunftssicher machen? Und wie lässt es sich überhaupt noch finanzieren?
Mit ihrer Rentenreform will die Bundesregierung folgendes Kernproblem angehen: Immer weniger Arbeitnehmer*innen zahlen für immer mehr Rentner*innen. Es ist absehbar, dass ein weiteres Kernproblem dabei in die zweite Reihe rückt: Dass Frauen nach wie vor weniger Rente bekommen als Männer, ein Unterschied von circa 25 Prozent.
Gender Pension Gap: Warum Frauen deutlich weniger Rente bekommen
Die Zahlen sind eindeutig. 2025 erhielten Frauen ab 65 Jahren im Schnitt rund 1.720 Euro Alterseinkünfte im Monat, Männer dagegen etwa 2.320 Euro. Alterseinkünfte meint Leistungen aus der Rentenversicherung, aber auch die Hinterbliebenenrente, genannt „Witwenrente“, die ein Partner nach dem Tod des anderen bekommen, um nicht finanziell abzustürzen. Ohne Hinterbliebenenrenten lag der sogenannte Gender Pension Gap sogar bei 36,9 Prozent.
Daraus folgt: Altersarmut ist in Deutschland vor allem eins – nämlich weiblich. Und das lässt sich nicht allein mit einer Reform des Rentensystems, wie es ist, beheben. Die Ursachen liegen weit davor. Die Rentenversicherung tut nur, was sie tun soll: Sie spiegelt das Erwerbsleben wider. Und das Erwerbsleben von Frauen ist strukturell schlechter bezahlt, häufiger unterbrochen und seltener in Vollzeit.
Teilzeit und Care-Arbeit: Wo die Rentenlücke entsteht
Wer jahrelang in Teilzeit gearbeitet hat, weil die Kita zu früh schließt oder die Pflege der Eltern sonst niemand übernahm, sammelt weniger Rentenpunkte. Wer im Minijob arbeitete, weil das Steuersystem für Verheiratete den Anreiz für einen gleichwertigen Verdienst systematisch kappt, bekommt am Ende weniger Rente. Ein höheres Renteneintrittsalter, ein stabiles Rentenniveau und eine Ausweitung der Beitragszahlenden sind Stellschrauben, die an der Finanzierung der Rente drehen. Wer den Gender Pension Gap ernsthaft schließen will, muss früher ansetzen: Beim Ehegattensplitting, bei einer besseren Entlohnung von Care-Berufen und bei der Frage, warum Erziehungszeiten für die Rente nur bis zu drei Jahre zählen – und die sich anschließende jahrelange Teilzeit nicht aufgefangen wird.
Ein Vorschlag, den die Rentenkommission diskutiert, klingt in diesem Kontext sinnvoll: das Rentensplitting. Dabei würden Rentenansprüche, die ein Ehepaar gemeinsam erarbeitet, automatisch hälftig aufgeteilt. Allerdings ließe sich das kaum mit der Hinterbliebenenrente vereinbaren. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung argumentiert schon länger, die Hinterbliebenenrente schwäche vor allem für Frauen den Anreiz, eigene Ansprüche aufzubauen. Ein verpflichtendes Rentensplitting würde diese Verzerrung dagegen reduzieren. Ein freiwilliges Rentensplitting gibt es bereit, laut Rentenversicherung machen aber jährlich weniger als 1.000 Paare davon Gebrauch.
Rentensplitting: Wem würde das nützen?
Wem würde das nützen? Jüngere Paare, die beide erwerbstätig sind, würden tatsächlich von einem Splitting profitieren. Kritisch wird es für Paare, in denen eine*r von beiden über viele Jahre überwiegend für Kindererziehung, Haushalt und Pflege verantwortlich war – meistens sind das die Frauen. Für sie kann die heutige Witwenrente nach dem Tod des Partners finanziell deutlich attraktiver sein als ein Splitting. Wer jetzt einfach das System umstellt, bestraft also genau diejenigen, die das Modell, das die Politik jahrzehntelang gefördert hat, gelebt haben.
Die Koalition hat bereits nachgebessert: Sie hat die Mütterrente vereinheitlicht, das Rentenniveau stabilisiert und bewahrt die von der SPD eingeführte Grundrente, die Menschen im Alter vor Armut schützt – auch das kommt Frauen zugute. Dennoch zielen ihre Reformen meist auf die ab, für die das System ursprünglich gebaut wurde: Männer, die vollzeitbeschäftigt 45 Jahre durchgearbeitet haben. Am Dienstag wird sich zeigen, ob sich das ändert.
In einem heutigen Gespräch mit der Nachbarin erzählte mir diese, die Witwenrente solle wieder mal gekürszt werden. Man wähle jetzt demnächst geschlossen afd.Nicht kürzen (CDU Ansatz), sondern sichern!